"Wachstum im Wandel" nannte sich eine gestern und vorgestern in der Aula der Akademie der Wissenschaften auf Initiative des Lebensministeriums abgehaltene Konferenz mit mehr als 400 TeilnehmerInnen aus so gut wie allen "Stakeholder"-Bereichen: NGOs, Wissenschaft, Ministerien und andere öffentliche Institutionen, Wirtschaft, Kunst, Bildung, Politik, Medien u.a.m.
Ich hatte die Gelegenheit bei einem Panel unter dem Titel "Beyond Growth" die Notwendigkeit für neue Indikatoren zur Bemessung der (Miss)Erfolge makro-ökonomischer Politik einzubringen: die rein materielle Bemessung von Wachstum, wie beim Bruttonationalprodukt, hat ausgedient. Hohe Wachstumsraten, die auf exzessivem Schuldenmachen und virtuellen Spekulationskreisläufen aufbauen, sind mitverantwortlich für Finanz- und Wirtschaftskrisen wie die jüngste - und haben fatale Folgen für die Realwirtschaft, v.a. in Form vom Verlust von Millionen von Arbeitsplätzen und damit einhergehender sozialer Unsicherheit und Destabilisierung.
Wachstumsindikatoren, die begrenzte ökologische Ressourcen, Klimawandel und Umweltschutz nicht in Betracht ziehen, und Faktoren etwa aus dem Human Development Index HDI (Zugang zu Bildung und Gesundheit wie zu Trinkwasser, Nahrungsmittelsicherheit etc.) ignorieren, sollten endlich dem letzten Jahrhundert angehören.
Im Grünen New Deal, wie wir Europäische Grüne ihn derzeit im Detail ausarbeiten, liegt neben den bekannten Themen wie Grüne Jobs, Investitionen in Erneuerbare und Energie-Effizienz, der Schwerpunkt auf einem neuen makro-ökonomischem Rahmen:
Neue Ziele für die Wirtschaftspolitik:
a) den Druck auf Umwelt und Klima massiv reduzieren
b) (eine bessere) Lebensqualität für ALLE Menschen auf diesem Planeten
Dazu braucht es dreierlei:
1) neue Indikatoren:
Zu a) etwa den ökologischen Fußabdruck, CO2-Emissionen, Biodiversität
Zu b) Lebenserwartung, Zugang zu Grundrechten wie Bildung, Gesundheit und Energie; ein Indikator zu (bezahlter wie nicht-bezahlter) Arbeit. Neben dem schon genannten HDI wäre auch ein "Bruttonational-Glücks"-Indikator angesagt. Das mag jetzt mehr als idealistisch oder irreal klingen aber im Ernst: es gibt hiezu schon gar nicht so irreale wissenschaftliche Überlegungen!
2) eine strikte Regulierung der Finanzmärkte (die einzigen ungeplanten "Regulierungen" fanden bisher über Krisen statt, das sollte endlich der Vergangenheit angehören)
3) eine Lokalisierung unserer Wirtschaften: der Glaube, dass der angeblich so freie Welthandel (s. die hoch subventionierten Landwirtschaften in den USA und Europa) mit seinen hohen Transportkosten (Klima!) mit der Ankurbelung des Konsums auch in armen Ländern eine Waffe gegen Armut und für Entwicklung ist, hat sich als Illusion erwiesen: es stimmt zwar, dass viele Millionen Menschen heute mehr materiellen Wohlstand haben als ihre Vorgänger-Generation (gerade in Schwellenländern) aber absolute Armut und Hunger nehmen ständig zu. Deshalb ist Vorrang für Versorgung im lokalen und regionalen Raum angesagt, und erst dann sollte an Export gedacht werden. Und Handel muss ökologisch und sozial fair gestaltet werden, aber das ergibt sich as der vorhergehenden Argumentation eh von selbst.
Denn schließlich, Hand aufs Herz: müssen wir wirklich im Winter Erdbeeren aus Westafrika essen???
Näheres über die durchaus gelungene Konferenz unter
www.wachstumimwandel.at